フェヒナーにおけるモデルネの「きしみ」

グスターフ・テオドール・フェヒナーとその系譜(2)

Translated title of the contribution: Der "Zwiespalt" der Moderne bei Gustav Theodor Fechner: Gustav Theodor Fechner und seine Genealogie (2)

Research output: Contribution to journalArticle

Abstract

Das Ziel des vorliegenden Aufsatzes ist es, Gustav Theodor Fechner (1801-1887) als einen eigentümlichen Denker zu profilieren, der den "Zwiespalt" zwischen den damaligen Geisteswissenschaften ([Natur]philosophie, Seelenkunde (Psychologie), Theologie usw.) und den Naturwissenschaften (hauptsächlich Physik) überwinden und beide Prinzipien integrieren wollte. Anders gesagt, werde ich versuchen, Fechner als einen mysthisch-pantheistisch-panpsychistischen Naturphilosophen und gleichzeitig als streng experimentellen Naturwissenschaftler zu charakterisieren. Im Vergleich mit der eher materialistisch-mechanischen Weltanschauung in Frankreich, wo die Deutung der Natur von Descartes und Newton durch Enzyklopädisten wie Diderot und d'Alembert intensiviert wurde, herrschte in Deutschland eine organistisch-idealistische Weltanschauung, deren Vertreter wir z. B. bei Lorenz Oken und G. Fr. Schelling finden können. Der "Zwiespalt" der Moderne hieße hier der zwischen jener "positivistischen Naturwissenschaft" und dieser "romantisch-idealistischen Naturphilosophie". Fechner, der akademischer Physiker war, hatte von Natur aus eine mysthisch-religiöse Neigung und las in seinen jungen Jahren Oken und Schelling. Er sah anfangs jedoch keinen Weg, wie er diese beiden Prinzipien unwidersprüchlich integrieren könnte. Fechner beschreibt seine damaligen Gedanken folgendermaßen: "Es schied sich mein Inneres gewissermaßen in zwei Theile, in mein Ich und in die Gedanken. Beide kämpften miteinander; die Gedanken suchten mein Ich zu überwältigen und einen selbstmächtigen, dessen Freiheit und Gesundheit zerstörenden Gang zu nehmen [...]. Meine geistige Beschäftigung bestand statt im Denken, in einem beständigen Bannen und Zügeln von Gedanken."Fechner erkrankte dann sowohl physisch als auch psychisch schwer und musste sich 4 Jahre lang wie eine Puppe in einem dunklen Zimmer einkapseln. Nach 4 Jahren aber wurde er wie durch ein "Wunder"wieder gesund. Durch diese urplötzliche Selbstheilung seiner schweren Krankheit überkam ihn die harmonische Vision der Natur. Davon erzählte er wie folgt: "Gar wohl erinnere ich mich noch, welchen Eindruck es auf mich machte, als ich nach mehrjähriger Augenkrankheit zum erstenmale wieder aus dem dunklen Zimmer ohne Binde vor den Augen in den blühenden Garten trat. Das schien mir ein Anblick schön über das Menschliche hinaus, jede Blume leuchtete mir entgegen in eigenthümlicher Klarheit, als wenn sie in's äußre Licht etwas von eigenem Lichte würfe. Der ganze Garten schien mir selber wie verklärt, als wenn nicht ich, sondern die Natur neu erstanden wäre [...]."Nach seiner Genesung schreibt Fechner wie ein Besessener seine visionären Naturdeutungen. Hier werde ich sein Buch "Nanna oder Über das Seelenleben der Pflanzen"(1848) ausführlich erörtern, in dem Fechner sich fragt, ob die Pflanzen beseelt seien oder nicht.
Original languageJapanese
Pages (from-to)1-21
Number of pages21
Journal言語文化論究
Volume26
DOIs
Publication statusPublished - Feb 7 2011

Cite this

@article{6b159b46ca0d470698382cdb45bc5f74,
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TY - JOUR

T1 - フェヒナーにおけるモデルネの「きしみ」

T2 - グスターフ・テオドール・フェヒナーとその系譜(2)

AU - 福元, 圭太

PY - 2011/2/7

Y1 - 2011/2/7

N2 - Das Ziel des vorliegenden Aufsatzes ist es, Gustav Theodor Fechner (1801-1887) als einen eigentümlichen Denker zu profilieren, der den "Zwiespalt" zwischen den damaligen Geisteswissenschaften ([Natur]philosophie, Seelenkunde (Psychologie), Theologie usw.) und den Naturwissenschaften (hauptsächlich Physik) überwinden und beide Prinzipien integrieren wollte. Anders gesagt, werde ich versuchen, Fechner als einen mysthisch-pantheistisch-panpsychistischen Naturphilosophen und gleichzeitig als streng experimentellen Naturwissenschaftler zu charakterisieren. Im Vergleich mit der eher materialistisch-mechanischen Weltanschauung in Frankreich, wo die Deutung der Natur von Descartes und Newton durch Enzyklopädisten wie Diderot und d'Alembert intensiviert wurde, herrschte in Deutschland eine organistisch-idealistische Weltanschauung, deren Vertreter wir z. B. bei Lorenz Oken und G. Fr. Schelling finden können. Der "Zwiespalt" der Moderne hieße hier der zwischen jener "positivistischen Naturwissenschaft" und dieser "romantisch-idealistischen Naturphilosophie". Fechner, der akademischer Physiker war, hatte von Natur aus eine mysthisch-religiöse Neigung und las in seinen jungen Jahren Oken und Schelling. Er sah anfangs jedoch keinen Weg, wie er diese beiden Prinzipien unwidersprüchlich integrieren könnte. Fechner beschreibt seine damaligen Gedanken folgendermaßen: "Es schied sich mein Inneres gewissermaßen in zwei Theile, in mein Ich und in die Gedanken. Beide kämpften miteinander; die Gedanken suchten mein Ich zu überwältigen und einen selbstmächtigen, dessen Freiheit und Gesundheit zerstörenden Gang zu nehmen [...]. Meine geistige Beschäftigung bestand statt im Denken, in einem beständigen Bannen und Zügeln von Gedanken."Fechner erkrankte dann sowohl physisch als auch psychisch schwer und musste sich 4 Jahre lang wie eine Puppe in einem dunklen Zimmer einkapseln. Nach 4 Jahren aber wurde er wie durch ein "Wunder"wieder gesund. Durch diese urplötzliche Selbstheilung seiner schweren Krankheit überkam ihn die harmonische Vision der Natur. Davon erzählte er wie folgt: "Gar wohl erinnere ich mich noch, welchen Eindruck es auf mich machte, als ich nach mehrjähriger Augenkrankheit zum erstenmale wieder aus dem dunklen Zimmer ohne Binde vor den Augen in den blühenden Garten trat. Das schien mir ein Anblick schön über das Menschliche hinaus, jede Blume leuchtete mir entgegen in eigenthümlicher Klarheit, als wenn sie in's äußre Licht etwas von eigenem Lichte würfe. Der ganze Garten schien mir selber wie verklärt, als wenn nicht ich, sondern die Natur neu erstanden wäre [...]."Nach seiner Genesung schreibt Fechner wie ein Besessener seine visionären Naturdeutungen. Hier werde ich sein Buch "Nanna oder Über das Seelenleben der Pflanzen"(1848) ausführlich erörtern, in dem Fechner sich fragt, ob die Pflanzen beseelt seien oder nicht.

AB - Das Ziel des vorliegenden Aufsatzes ist es, Gustav Theodor Fechner (1801-1887) als einen eigentümlichen Denker zu profilieren, der den "Zwiespalt" zwischen den damaligen Geisteswissenschaften ([Natur]philosophie, Seelenkunde (Psychologie), Theologie usw.) und den Naturwissenschaften (hauptsächlich Physik) überwinden und beide Prinzipien integrieren wollte. Anders gesagt, werde ich versuchen, Fechner als einen mysthisch-pantheistisch-panpsychistischen Naturphilosophen und gleichzeitig als streng experimentellen Naturwissenschaftler zu charakterisieren. Im Vergleich mit der eher materialistisch-mechanischen Weltanschauung in Frankreich, wo die Deutung der Natur von Descartes und Newton durch Enzyklopädisten wie Diderot und d'Alembert intensiviert wurde, herrschte in Deutschland eine organistisch-idealistische Weltanschauung, deren Vertreter wir z. B. bei Lorenz Oken und G. Fr. Schelling finden können. Der "Zwiespalt" der Moderne hieße hier der zwischen jener "positivistischen Naturwissenschaft" und dieser "romantisch-idealistischen Naturphilosophie". Fechner, der akademischer Physiker war, hatte von Natur aus eine mysthisch-religiöse Neigung und las in seinen jungen Jahren Oken und Schelling. Er sah anfangs jedoch keinen Weg, wie er diese beiden Prinzipien unwidersprüchlich integrieren könnte. Fechner beschreibt seine damaligen Gedanken folgendermaßen: "Es schied sich mein Inneres gewissermaßen in zwei Theile, in mein Ich und in die Gedanken. Beide kämpften miteinander; die Gedanken suchten mein Ich zu überwältigen und einen selbstmächtigen, dessen Freiheit und Gesundheit zerstörenden Gang zu nehmen [...]. Meine geistige Beschäftigung bestand statt im Denken, in einem beständigen Bannen und Zügeln von Gedanken."Fechner erkrankte dann sowohl physisch als auch psychisch schwer und musste sich 4 Jahre lang wie eine Puppe in einem dunklen Zimmer einkapseln. Nach 4 Jahren aber wurde er wie durch ein "Wunder"wieder gesund. Durch diese urplötzliche Selbstheilung seiner schweren Krankheit überkam ihn die harmonische Vision der Natur. Davon erzählte er wie folgt: "Gar wohl erinnere ich mich noch, welchen Eindruck es auf mich machte, als ich nach mehrjähriger Augenkrankheit zum erstenmale wieder aus dem dunklen Zimmer ohne Binde vor den Augen in den blühenden Garten trat. Das schien mir ein Anblick schön über das Menschliche hinaus, jede Blume leuchtete mir entgegen in eigenthümlicher Klarheit, als wenn sie in's äußre Licht etwas von eigenem Lichte würfe. Der ganze Garten schien mir selber wie verklärt, als wenn nicht ich, sondern die Natur neu erstanden wäre [...]."Nach seiner Genesung schreibt Fechner wie ein Besessener seine visionären Naturdeutungen. Hier werde ich sein Buch "Nanna oder Über das Seelenleben der Pflanzen"(1848) ausführlich erörtern, in dem Fechner sich fragt, ob die Pflanzen beseelt seien oder nicht.

U2 - 10.15017/19178

DO - 10.15017/19178

M3 - 記事

VL - 26

SP - 1

EP - 21

JO - 言語文化論究

JF - 言語文化論究

SN - 1341-0032

ER -