『精神物理学原論』の射程

フェヒナーにおける自然哲学の自然科学的基盤

研究成果: ジャーナルへの寄稿記事

抄録

Gustav Theodor Fechner hatte in seiner Schrift Nanna (1848) den Pflanzen ein eigenes Seelenleben zuteilwerden lassen und in seinem voluminosen Werk Zend-Avester (1851) behauptet, dass nicht nur Mensch und Tier, sondern auch die Erde selbst und die Gestirne von Gott beseelt seien. Fechners Uberzeugung von einer naturphilosophisch-pantheistischen Allbeseeltheit der Natur fand jedoch kaum Resonanz. In seinem Buch Elemente der Psychophysik (1860), das den Gegenstand dieser Abhandlung bildet, anderte Fechner seine "Strategie" und stellte seine naturphilosophischen Spekulationen vorerst zurUck. Diesmal versuchte er mithilfe einer naturwissenschaftlichen Herangehensweise, genauer gesagt, mit der Sprache der Mathematik die Beziehungen zwischen dem Physischen und dem Psychischen, zwischen Korper und Seele zu erhellen. Psychophysik definiert Fechner als die "funktionellen oder Abhangigkeitsbeziehungen zwischen Korper und Seele, allgemeiner zwischen korperlicher und geistiger, physischer und psychischer Welt". Diese neue Disziplin besteht nach Fechner aus zwei Teilen: der auBeren und der inneren Psychophysik. Die auBere Psychophysik erforscht die "funktionellen oder Abhangigkeitsbeziehungen" zwischen der messbaren GroBe der Reize und den Empfindungen. Dabei spielte flir Fechner das 1834 von Ernst Heinrich Weber aufgestellte sogenannte "Webersche Gesetz" eine iiberaus wichtige Rolle. Dieses besagt, dass je starker der Reiz ist, desto groBer der Reizunterschied sein muss, urn diesen Unterschied zu bemerken. So nimmt man z. B. die Gewichtszunahme eines Gegenstandes von zunachst 100 g erst wahr, wenn das Gewicht urn 10 g auf 110 g angewachsen ist. Entsprechend muss ein Gewicht von 200 g urn 20 g anwachsen, urn schwerer zu wirken (10/100 20/200). Durch mathematische Operationen leitete Fechner aus dem ,;Weberschen" das "Fechnersche" oder "Weber-Fechnersche" Gesetz abo Dieses besagt, dass sich die subjektiv empfundene Starke von Sinneseindrticken proportional zum Logarithmus der objektiven Intensitat des physikalischen Reizes Fechner flihrt dies folgendermaBen aus: ,,Die Groj3e der Empfindung (y) steht im Verhiiltnisse nicht zu der absoluten Groj3e des Reizes (fJ), sondern zu dem Logarithmus der Groj3e des Reizes, wenn dieser auf seinen Schwellenwert (b), d. i. diejenige Groj3e als Einheit bezogen wird, bei welcher die Empfindung entsteht und verschwindet, oder kurz, sie ist proportional dem Logarithmus des fundamentalen Reizwertes [gesperrt im Original]", und er drtickt dieses Verhaltnis mit der Formel y=k 10gP/b aus. Gerade diese "Schwelle" ist fUr Fechner der Schliisselbegriff, der die auBere mit der inneren Psychophysik verbindet. 1st die Reizdifferenz nur minimal, wird keineVeranderung der Empfindung hervorgerufen. Man nimmt z. B. die Gewichtszunahme eines Gegenstandes von zunachst 100 g nicht wahr, wenn das Gewicht nur urn 0,001 g auf 100,001 g anwachst. Das bedeutet, dass sich Empfindungen diskontinuierlich verandern, wahrend sich der auBere Reiz aber kontinuierlich Dartiber hinaus nehmen wir tiberhaupt keine Veranderung wahr, wenn der Ausgangreiz aliBerst schwach ist. Aufgrund dieser Schwelle bleiben die Empfindungen nur diskontinuierlich, wahrend die Reize physisch kontinuierlich sind. Zwischen der Kontinuitat der physichen Reize und der Diskontinuitat der psychischen Empfindungen liegt nach Fechner das Unbewusstsein. Die Bewegung, die im Unbewussten als ein "Schwarzes Loch" vorgeht, nannte Fechner die psychophysische Bewegung und betont: "Nicht der Reiz erweckt unmittelbar Empfindung, sondern zwischen ihn und die Empfindung schiebt sich noch eine inn ere korperliche Tatigkeit, wir nannten sie kurz die psychophysische, ein". Fechner vergleicht die Beziehung "Reiz-psychophysische BewegungEmpfindung" mit einer "Kette". Ihr auBeres Endglied sei der Reiz, ihr inneres Endglied die Empfindung und die psychophysische Bewegung bilde das Mittelglied. Den Forschungsgegenstand der inneren Psychophysik bilden die "funktionellen oder Abhangigkeitsbeziehungen" zwischen den psychophysischen Tatigkeiten und den geistigen Erscheinungen wie "Schlaf und Wachen, Sinnesgedachtnis, Illusionen, Traum" usw. Ebenso wie heute war zu Fechners Zeiten kaum Genaueres tiber diese korperlichen ([bio]chemischanatomisch-biologisch-physiologischen) Aktivitaten bekannt, weshalb sich auch Fechners Ausfiihrungen auf die Darstellung der Leitgedanken seiner Forschungen beschranken. Falls das Bewusstsein (= Empfindung) entsprechend der Position der Schwelle das bald kontinuierlich, bald diskontinuierlich ware, mtisste, wie Fechner meint, ein allumfassendes Bewusstsein postuliert werden: "Die Konsequenz dieser Auffassung fiihrt zur Ansicht eines in der Natur allgegenwartigen bewuBten Gottes". Einen Gott postulierte Fechner jedoch nicht a priori und deduktiv, sondern induktivnaturwissenschaftlich; er ging also davon aus, dass er die Existenz Gottes durch "Induction und Analogie" beweisen konne. Fechners Methode wird daher von der Philosophiegeschichtsschreibung als "induktive Metaphysik" bezeichnet. Elemente der Psychophysik haben den Weg eroffnet, das Psychische in die Sprache der Mathematik zu tibersetzen. Damit wurde Fechner zu einem Begrlinder der spateren "experimentellen Psychologie". Philosophiegeschichtlich konnte man Fechners groBten Verdienst darin sehen, dass er mit den Elementen der Psychophysik Kants Behauptung "empirische Seelenlehre [bleibeJ jederzeit von dem Range einer eigentlich so zu nennenden Naturwissenschaft entfernt, [ ... J weil Mathematik auf die Phanomene des inneren Sinnes und ihre Gesetze nicht anwendbar ist" widerlegte.
元の言語Japanese
ページ(範囲)13-27
ページ数15
ジャーナル西日本ドイツ文学
発行部数24
出版物ステータス出版済み - 11 30 2012

これを引用

『精神物理学原論』の射程 : フェヒナーにおける自然哲学の自然科学的基盤. / 福元圭太.

:: 西日本ドイツ文学, 番号 24, 30.11.2012, p. 13-27.

研究成果: ジャーナルへの寄稿記事

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TY - JOUR

T1 - 『精神物理学原論』の射程

T2 - フェヒナーにおける自然哲学の自然科学的基盤

AU - 福元, 圭太

PY - 2012/11/30

Y1 - 2012/11/30

N2 - Gustav Theodor Fechner hatte in seiner Schrift Nanna (1848) den Pflanzen ein eigenes Seelenleben zuteilwerden lassen und in seinem voluminosen Werk Zend-Avester (1851) behauptet, dass nicht nur Mensch und Tier, sondern auch die Erde selbst und die Gestirne von Gott beseelt seien. Fechners Uberzeugung von einer naturphilosophisch-pantheistischen Allbeseeltheit der Natur fand jedoch kaum Resonanz. In seinem Buch Elemente der Psychophysik (1860), das den Gegenstand dieser Abhandlung bildet, anderte Fechner seine "Strategie" und stellte seine naturphilosophischen Spekulationen vorerst zurUck. Diesmal versuchte er mithilfe einer naturwissenschaftlichen Herangehensweise, genauer gesagt, mit der Sprache der Mathematik die Beziehungen zwischen dem Physischen und dem Psychischen, zwischen Korper und Seele zu erhellen. Psychophysik definiert Fechner als die "funktionellen oder Abhangigkeitsbeziehungen zwischen Korper und Seele, allgemeiner zwischen korperlicher und geistiger, physischer und psychischer Welt". Diese neue Disziplin besteht nach Fechner aus zwei Teilen: der auBeren und der inneren Psychophysik. Die auBere Psychophysik erforscht die "funktionellen oder Abhangigkeitsbeziehungen" zwischen der messbaren GroBe der Reize und den Empfindungen. Dabei spielte flir Fechner das 1834 von Ernst Heinrich Weber aufgestellte sogenannte "Webersche Gesetz" eine iiberaus wichtige Rolle. Dieses besagt, dass je starker der Reiz ist, desto groBer der Reizunterschied sein muss, urn diesen Unterschied zu bemerken. So nimmt man z. B. die Gewichtszunahme eines Gegenstandes von zunachst 100 g erst wahr, wenn das Gewicht urn 10 g auf 110 g angewachsen ist. Entsprechend muss ein Gewicht von 200 g urn 20 g anwachsen, urn schwerer zu wirken (10/100 20/200). 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Man nimmt z. B. die Gewichtszunahme eines Gegenstandes von zunachst 100 g nicht wahr, wenn das Gewicht nur urn 0,001 g auf 100,001 g anwachst. Das bedeutet, dass sich Empfindungen diskontinuierlich verandern, wahrend sich der auBere Reiz aber kontinuierlich Dartiber hinaus nehmen wir tiberhaupt keine Veranderung wahr, wenn der Ausgangreiz aliBerst schwach ist. Aufgrund dieser Schwelle bleiben die Empfindungen nur diskontinuierlich, wahrend die Reize physisch kontinuierlich sind. Zwischen der Kontinuitat der physichen Reize und der Diskontinuitat der psychischen Empfindungen liegt nach Fechner das Unbewusstsein. Die Bewegung, die im Unbewussten als ein "Schwarzes Loch" vorgeht, nannte Fechner die psychophysische Bewegung und betont: "Nicht der Reiz erweckt unmittelbar Empfindung, sondern zwischen ihn und die Empfindung schiebt sich noch eine inn ere korperliche Tatigkeit, wir nannten sie kurz die psychophysische, ein". Fechner vergleicht die Beziehung "Reiz-psychophysische BewegungEmpfindung" mit einer "Kette". Ihr auBeres Endglied sei der Reiz, ihr inneres Endglied die Empfindung und die psychophysische Bewegung bilde das Mittelglied. Den Forschungsgegenstand der inneren Psychophysik bilden die "funktionellen oder Abhangigkeitsbeziehungen" zwischen den psychophysischen Tatigkeiten und den geistigen Erscheinungen wie "Schlaf und Wachen, Sinnesgedachtnis, Illusionen, Traum" usw. Ebenso wie heute war zu Fechners Zeiten kaum Genaueres tiber diese korperlichen ([bio]chemischanatomisch-biologisch-physiologischen) Aktivitaten bekannt, weshalb sich auch Fechners Ausfiihrungen auf die Darstellung der Leitgedanken seiner Forschungen beschranken. Falls das Bewusstsein (= Empfindung) entsprechend der Position der Schwelle das bald kontinuierlich, bald diskontinuierlich ware, mtisste, wie Fechner meint, ein allumfassendes Bewusstsein postuliert werden: "Die Konsequenz dieser Auffassung fiihrt zur Ansicht eines in der Natur allgegenwartigen bewuBten Gottes". Einen Gott postulierte Fechner jedoch nicht a priori und deduktiv, sondern induktivnaturwissenschaftlich; er ging also davon aus, dass er die Existenz Gottes durch "Induction und Analogie" beweisen konne. Fechners Methode wird daher von der Philosophiegeschichtsschreibung als "induktive Metaphysik" bezeichnet. Elemente der Psychophysik haben den Weg eroffnet, das Psychische in die Sprache der Mathematik zu tibersetzen. Damit wurde Fechner zu einem Begrlinder der spateren "experimentellen Psychologie". Philosophiegeschichtlich konnte man Fechners groBten Verdienst darin sehen, dass er mit den Elementen der Psychophysik Kants Behauptung "empirische Seelenlehre [bleibeJ jederzeit von dem Range einer eigentlich so zu nennenden Naturwissenschaft entfernt, [ ... J weil Mathematik auf die Phanomene des inneren Sinnes und ihre Gesetze nicht anwendbar ist" widerlegte.

AB - Gustav Theodor Fechner hatte in seiner Schrift Nanna (1848) den Pflanzen ein eigenes Seelenleben zuteilwerden lassen und in seinem voluminosen Werk Zend-Avester (1851) behauptet, dass nicht nur Mensch und Tier, sondern auch die Erde selbst und die Gestirne von Gott beseelt seien. Fechners Uberzeugung von einer naturphilosophisch-pantheistischen Allbeseeltheit der Natur fand jedoch kaum Resonanz. In seinem Buch Elemente der Psychophysik (1860), das den Gegenstand dieser Abhandlung bildet, anderte Fechner seine "Strategie" und stellte seine naturphilosophischen Spekulationen vorerst zurUck. Diesmal versuchte er mithilfe einer naturwissenschaftlichen Herangehensweise, genauer gesagt, mit der Sprache der Mathematik die Beziehungen zwischen dem Physischen und dem Psychischen, zwischen Korper und Seele zu erhellen. Psychophysik definiert Fechner als die "funktionellen oder Abhangigkeitsbeziehungen zwischen Korper und Seele, allgemeiner zwischen korperlicher und geistiger, physischer und psychischer Welt". Diese neue Disziplin besteht nach Fechner aus zwei Teilen: der auBeren und der inneren Psychophysik. Die auBere Psychophysik erforscht die "funktionellen oder Abhangigkeitsbeziehungen" zwischen der messbaren GroBe der Reize und den Empfindungen. Dabei spielte flir Fechner das 1834 von Ernst Heinrich Weber aufgestellte sogenannte "Webersche Gesetz" eine iiberaus wichtige Rolle. Dieses besagt, dass je starker der Reiz ist, desto groBer der Reizunterschied sein muss, urn diesen Unterschied zu bemerken. So nimmt man z. B. die Gewichtszunahme eines Gegenstandes von zunachst 100 g erst wahr, wenn das Gewicht urn 10 g auf 110 g angewachsen ist. Entsprechend muss ein Gewicht von 200 g urn 20 g anwachsen, urn schwerer zu wirken (10/100 20/200). Durch mathematische Operationen leitete Fechner aus dem ,;Weberschen" das "Fechnersche" oder "Weber-Fechnersche" Gesetz abo Dieses besagt, dass sich die subjektiv empfundene Starke von Sinneseindrticken proportional zum Logarithmus der objektiven Intensitat des physikalischen Reizes Fechner flihrt dies folgendermaBen aus: ,,Die Groj3e der Empfindung (y) steht im Verhiiltnisse nicht zu der absoluten Groj3e des Reizes (fJ), sondern zu dem Logarithmus der Groj3e des Reizes, wenn dieser auf seinen Schwellenwert (b), d. i. diejenige Groj3e als Einheit bezogen wird, bei welcher die Empfindung entsteht und verschwindet, oder kurz, sie ist proportional dem Logarithmus des fundamentalen Reizwertes [gesperrt im Original]", und er drtickt dieses Verhaltnis mit der Formel y=k 10gP/b aus. Gerade diese "Schwelle" ist fUr Fechner der Schliisselbegriff, der die auBere mit der inneren Psychophysik verbindet. 1st die Reizdifferenz nur minimal, wird keineVeranderung der Empfindung hervorgerufen. Man nimmt z. B. die Gewichtszunahme eines Gegenstandes von zunachst 100 g nicht wahr, wenn das Gewicht nur urn 0,001 g auf 100,001 g anwachst. Das bedeutet, dass sich Empfindungen diskontinuierlich verandern, wahrend sich der auBere Reiz aber kontinuierlich Dartiber hinaus nehmen wir tiberhaupt keine Veranderung wahr, wenn der Ausgangreiz aliBerst schwach ist. Aufgrund dieser Schwelle bleiben die Empfindungen nur diskontinuierlich, wahrend die Reize physisch kontinuierlich sind. Zwischen der Kontinuitat der physichen Reize und der Diskontinuitat der psychischen Empfindungen liegt nach Fechner das Unbewusstsein. Die Bewegung, die im Unbewussten als ein "Schwarzes Loch" vorgeht, nannte Fechner die psychophysische Bewegung und betont: "Nicht der Reiz erweckt unmittelbar Empfindung, sondern zwischen ihn und die Empfindung schiebt sich noch eine inn ere korperliche Tatigkeit, wir nannten sie kurz die psychophysische, ein". Fechner vergleicht die Beziehung "Reiz-psychophysische BewegungEmpfindung" mit einer "Kette". Ihr auBeres Endglied sei der Reiz, ihr inneres Endglied die Empfindung und die psychophysische Bewegung bilde das Mittelglied. Den Forschungsgegenstand der inneren Psychophysik bilden die "funktionellen oder Abhangigkeitsbeziehungen" zwischen den psychophysischen Tatigkeiten und den geistigen Erscheinungen wie "Schlaf und Wachen, Sinnesgedachtnis, Illusionen, Traum" usw. Ebenso wie heute war zu Fechners Zeiten kaum Genaueres tiber diese korperlichen ([bio]chemischanatomisch-biologisch-physiologischen) Aktivitaten bekannt, weshalb sich auch Fechners Ausfiihrungen auf die Darstellung der Leitgedanken seiner Forschungen beschranken. 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M3 - 記事

SP - 13

EP - 27

JO - 西日本ドイツ文学

JF - 西日本ドイツ文学

SN - 0915-5376

IS - 24

ER -