ヴァイマルのトーマス・マン (特集 Nation/Nationalismus)

研究成果: ジャーナルへの寄稿記事

抄録

Unter der fast unuberschaubaren Sekundarliteratur zum Thema "Goethe und Thomas Mann" gehoren die folgenden drei Werke m. E. zu den wichtigsten: Hans Wyslings Abhandlung "Thomas Manns Goethe Nachfolge", Hinrich Siefkens Monographic "Thomas Mann. Goethe -- 'Ideal der Deutschheit'. Wiederholte Spiegelungen 1893-1949" und ein kurzes Kapitel uber Lotte in Weimar aus dem Buch "Thomas Mann. Epoche-Werke-Wirkung" von Hermann Kurzke. Wysling stellt in seiner Abhandlung die Frage, ob Thomas Mann wirklich mit Goethe geistesverwandt ware, und beantwortet dies interessanterweise negativ. Denn seiner Ansicht nach habe Thomas Mann immer wieder versucht, seinem Pessimismus und Nihilismus die Heiterkeit, das Lebenshelle oder wenigstens das Lebensmogliche "auszutrotzen und abzulisten". Allerdings habe Thomas Mann seine von Schopenhauer bestatigten pessimistischen Grundeinsichten auch mit Hilfe Goethes "nie ganz uberwinden konnen". Ahnlich wie Wysling argumentiert auch Kurzke, wenn er meint, Thomas Mann habe die Klassizitat eines Goethes nie wirklich erreicht, und Thomas Manns Imitatio Goethes sei "mehr der Wille zu Goethe". Wysling und Kurzke im Grossen und Ganzen zustimmend, habe ich in meiner Abhandlung versucht zu klaren, inwieweit Thomas Mann sich Goethe naherte, um unter Berufung auf Goethe eine politische und volkspadagogische Rolle in den 30er Jahren zu spielen, in denen der Nationalsozialismus Deutschland beherrschte und Thomas Mann ins Exil gehen musste. Wie allgemein bekannt ist, waren fur Thomas Mann in der Zeit seiner "Betrachtungen" Schopenhauer, Nietzsche und Wagner das "Dreigestirn ewig verbundener Geister" am deutschen Himmel. Im Jahre 1932 kam jedoch noch ein Stern dazu, und zwar Goethe.Thomas Mann nannte Goethe, Schopenhauer, Wagner, Nietzsche seinen "Fixsternhimmel". In verschiedenen Reden und Essays zu Goethe in den 30er Jahren stellt Thomas Mann besonders Goethe und Wagner in Kontrast. Wahrend Goethe fur Thomas Mann die Verkorperung des "Mittellandisch-Plastische[n]", des "Erleuchtet-Himmelsheitere[n]", des Gesunderen-Humanen, kurz des gesamten "Europaische[n]" war, verkorperte Wagner das "Nordisch-musikalische", das "volk- und sagenhaft Urtumliche", das Pathologisch-Elitare, kurz das Kerndeutsche, und besass somit eine gewisse Verwandtschaft mit dem Nationalsozialismus. Um die Nazi-Ideologic und das damit verdorbene Wagner-Bild zu bekampfen, beschwor Thomas Mann Goethe als Idealbild der europaischen Bildung und Humanitat. Die Annaherung Thomas Manns an Goethe geht soweit, dass dieser im Roman Lotte in Weimar von Thomas Mann fast "besessen" ware. Dieser Roman ist ein evidenter Beweis der "Unio mystica" Thomas Manns mit Goethe. Aus winzigen und mangelhaften Erwahnungen Goethes von der Hofratin Kestner, der ehemaligen "Lotte" aus dem Werther, die nach 44 Jahren wieder Weimar besuchte, entstand ein Roman. Er ware jedoch ohne ein Buch von Felix Aaron Theilhaber uberhaupt nicht zustande gekommen, und zwar dessen nicht idealistisch-hagiographische, sondern zur damaligen Zeit sensationelle Goethe-Biographie "Goethe. Sexus und Eros" von 1929. Diese Biographic blieb in der Forschungsgeschichte des Romans Lotte in Weimar fast unerwahnt, wurde aber von Thomas Mann sehr intensiv rezipiert. Dadurch hat Thomas Mann einige wichtige Charaktereigenschaften Goethes, wie seine "Flucht vor den Frauen", seine unpatriarchaischen Eigenschaften und seine Androgynitat herausgearbeitet. In der Zeit des Nationalsozialismus versucht Thomas Mann die volkspadagogischen Elemente seines Goethes mit dessen Androgynitat in Verbindung zu bringen. In einem grossen Monolog lasst Thomas Mann Goethe sagen, er wolle "das Productive", und zwar dadurch, dass er "Weibheit und Mannheit auf einmal" auf sich hinnehme. Er wolle empfangend zeugen, wolle gleichzeitig "Schoss und Samen" sein, "bestimmbar durch alles" sein, aber gleichzeitig durch sich selbst bestimmen, damit das Empfangene die Welt bereichere. Thomas Manns Goethe sagt: "So solltens die Deutschen halten, und darin bin ich ihr Bild und Vorbild."
元の言語Japanese
ページ(範囲)140-158[含 ドイツ語文要旨]
ジャーナルドイツ文学
5
発行部数4
出版物ステータス出版済み - 2006

Fingerprint

Weimar
Johann Wolfgang Von Goethe
Thomas Mann
Friedrich Nietzsche
Arthur Schopenhauer
Bildung
Werther
Hat
Ideal
Eros
Monologue
Imitatio
Epoche

これを引用

ヴァイマルのトーマス・マン (特集 Nation/Nationalismus). / 福元圭太.

:: ドイツ文学, 巻 5, 番号 4, 2006, p. 140-158[含 ドイツ語文要旨].

研究成果: ジャーナルへの寄稿記事

福元圭太 2006, 'ヴァイマルのトーマス・マン (特集 Nation/Nationalismus)', ドイツ文学, 巻. 5, 番号 4, pp. 140-158[含 ドイツ語文要旨].
福元圭太. / ヴァイマルのトーマス・マン (特集 Nation/Nationalismus). :: ドイツ文学. 2006 ; 巻 5, 番号 4. pp. 140-158[含 ドイツ語文要旨].
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AB - Unter der fast unuberschaubaren Sekundarliteratur zum Thema "Goethe und Thomas Mann" gehoren die folgenden drei Werke m. E. zu den wichtigsten: Hans Wyslings Abhandlung "Thomas Manns Goethe Nachfolge", Hinrich Siefkens Monographic "Thomas Mann. Goethe -- 'Ideal der Deutschheit'. Wiederholte Spiegelungen 1893-1949" und ein kurzes Kapitel uber Lotte in Weimar aus dem Buch "Thomas Mann. Epoche-Werke-Wirkung" von Hermann Kurzke. Wysling stellt in seiner Abhandlung die Frage, ob Thomas Mann wirklich mit Goethe geistesverwandt ware, und beantwortet dies interessanterweise negativ. Denn seiner Ansicht nach habe Thomas Mann immer wieder versucht, seinem Pessimismus und Nihilismus die Heiterkeit, das Lebenshelle oder wenigstens das Lebensmogliche "auszutrotzen und abzulisten". Allerdings habe Thomas Mann seine von Schopenhauer bestatigten pessimistischen Grundeinsichten auch mit Hilfe Goethes "nie ganz uberwinden konnen". Ahnlich wie Wysling argumentiert auch Kurzke, wenn er meint, Thomas Mann habe die Klassizitat eines Goethes nie wirklich erreicht, und Thomas Manns Imitatio Goethes sei "mehr der Wille zu Goethe". Wysling und Kurzke im Grossen und Ganzen zustimmend, habe ich in meiner Abhandlung versucht zu klaren, inwieweit Thomas Mann sich Goethe naherte, um unter Berufung auf Goethe eine politische und volkspadagogische Rolle in den 30er Jahren zu spielen, in denen der Nationalsozialismus Deutschland beherrschte und Thomas Mann ins Exil gehen musste. Wie allgemein bekannt ist, waren fur Thomas Mann in der Zeit seiner "Betrachtungen" Schopenhauer, Nietzsche und Wagner das "Dreigestirn ewig verbundener Geister" am deutschen Himmel. Im Jahre 1932 kam jedoch noch ein Stern dazu, und zwar Goethe.Thomas Mann nannte Goethe, Schopenhauer, Wagner, Nietzsche seinen "Fixsternhimmel". In verschiedenen Reden und Essays zu Goethe in den 30er Jahren stellt Thomas Mann besonders Goethe und Wagner in Kontrast. Wahrend Goethe fur Thomas Mann die Verkorperung des "Mittellandisch-Plastische[n]", des "Erleuchtet-Himmelsheitere[n]", des Gesunderen-Humanen, kurz des gesamten "Europaische[n]" war, verkorperte Wagner das "Nordisch-musikalische", das "volk- und sagenhaft Urtumliche", das Pathologisch-Elitare, kurz das Kerndeutsche, und besass somit eine gewisse Verwandtschaft mit dem Nationalsozialismus. Um die Nazi-Ideologic und das damit verdorbene Wagner-Bild zu bekampfen, beschwor Thomas Mann Goethe als Idealbild der europaischen Bildung und Humanitat. Die Annaherung Thomas Manns an Goethe geht soweit, dass dieser im Roman Lotte in Weimar von Thomas Mann fast "besessen" ware. Dieser Roman ist ein evidenter Beweis der "Unio mystica" Thomas Manns mit Goethe. Aus winzigen und mangelhaften Erwahnungen Goethes von der Hofratin Kestner, der ehemaligen "Lotte" aus dem Werther, die nach 44 Jahren wieder Weimar besuchte, entstand ein Roman. Er ware jedoch ohne ein Buch von Felix Aaron Theilhaber uberhaupt nicht zustande gekommen, und zwar dessen nicht idealistisch-hagiographische, sondern zur damaligen Zeit sensationelle Goethe-Biographie "Goethe. Sexus und Eros" von 1929. Diese Biographic blieb in der Forschungsgeschichte des Romans Lotte in Weimar fast unerwahnt, wurde aber von Thomas Mann sehr intensiv rezipiert. Dadurch hat Thomas Mann einige wichtige Charaktereigenschaften Goethes, wie seine "Flucht vor den Frauen", seine unpatriarchaischen Eigenschaften und seine Androgynitat herausgearbeitet. In der Zeit des Nationalsozialismus versucht Thomas Mann die volkspadagogischen Elemente seines Goethes mit dessen Androgynitat in Verbindung zu bringen. In einem grossen Monolog lasst Thomas Mann Goethe sagen, er wolle "das Productive", und zwar dadurch, dass er "Weibheit und Mannheit auf einmal" auf sich hinnehme. Er wolle empfangend zeugen, wolle gleichzeitig "Schoss und Samen" sein, "bestimmbar durch alles" sein, aber gleichzeitig durch sich selbst bestimmen, damit das Empfangene die Welt bereichere. Thomas Manns Goethe sagt: "So solltens die Deutschen halten, und darin bin ich ihr Bild und Vorbild."

M3 - 記事

VL - 5

SP - 140-158[含 ドイツ語文要旨]

JO - ドイツ文学

JF - ドイツ文学

SN - 0387-2831

IS - 4

ER -